Anleitung: Rasen entfernen und Rollrasen verlegen

Einen über Jahre ungepflegten Rasen restaurieren zu wollen, ist mit beträchtlichen Mühen und oft auch mit vergeblichem Aufwand verbunden. Da hilft nur eine Radikalkur - der "alte" muß weg!

Das schöne, milde Frühlingswetter und die wohlige Morgensonne können nicht darüber hinwegtäuschen: Das, was wir hier sehen ist kein gepflegter Zierrasen. Wenn man´s genau nimmt, ist es eigentlich überhaupt kein Rasen, sondern bestenfalls eine in´s Kraut geschossene, vermooste, klee-, löwenzahn- und huflattichverseuchte Wiese. Der DIY4you-Freund der ersten Stunde, Mischa Kamitsch, ist verzweifelt, und bittet uns um Rat.


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Die Kernsubstanz an Gras ist nur noch andeu-tungsweise auszumachen. Deshalb ist höchstwahr-scheinlich auch jeglicher Versuch, dieses "Geflecht" wieder zu kultivieren von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Gärtnermeister unseres Vertrauens verfügt zwar über einen schier unerschöpflichen Fundus an Ratschlägen darüber, wie man mit ganz kurzem abmähen, gründlichem vertikutieren, anschließendem belüften, gleichmäßigem Ausbringen scharfen Sandes, neuem einsähen in Längs- und Querrichtung, mehreren Wochen des Wartens und Bewässerns, das schon wieder hinbekomme. "Das sei doch alles gar kein Problem!" Doch der gemeine Gartenbesitzer stellt sich bei diesen Aussichten die Frage: "Will ich das"?

Wer sich ernsthaft dem "Rasenproblem" stellt, muß sich zwangsläufig mit der Umsetzung der gutgemeinten Ratschläge des Fachmanns auseinandersetzen - aber auch mit den Alternativen. Wie auch immer, es müssen Maschinen geliehen werden. Ein schwerer und kräftiger Vertikutierer muß es sein, sonst ist der Aufwand vergebens. Und eine Belüftungswalze wird gebraucht, und eine Planierwalze. Grassamen kaufen, und Dünger, und und und...


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Es hilft nichts, so wie er ist, kann der Rasen keinesfalls bleiben. Und wie so oft, kommt einem der Zufall zuhilfe. Beim Geräteverleiher entdecken wir eine völlig neue Maschine. Auf die Frage, was das denn sei, antwortet der freundliche Mann (der Verleih befindet sich am Niederrhein!) hinter dem Tresen: "Datt is unser neuer Rasenschäler, damit rasieren Se rubbeldiekatz jede verfilzte Kräuterwiese weg." Ach, interessant! Und dann? "Mit der Fräse hier den Boden auflockern und ausgleichen, Rollrasen drauf, 10 Tage lang jeden Tach sprengen, falls et nich rechnet, fertich!" Und der kostet an Miete? "Jenausoviel wie dä Vertikutierer."

Daß der Rasenschäler und die Fräse zusammen auf einen kleinen Hänger passen, ist wirklich praktisch. Die meisten Geräteverleiher liefern übrigens auch. Und einen guten Rollrasenhändler kannte der freundliche Verleiher auch noch: "Datt is en Kumpel, isch ruf den mal an!"


Alten Rasen entfernen und Untergrund vorbereiten

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Der Rasenschäler ist eine emsige Maschine. Das selbstfahrende Gerät mit kräftigem Benzinmotor hat zwischen seinen Achsen unter dem Fahrgestell ein schwingendes Messer, welches sich in den Boden gräbt und die Grasnabe auf einer Breite von 50 cm in der eingestellten Höhe einfach "abrasiert". Um auf einer Fläche von rund 120 m? den alten Rasen mit einer Stärke von 5 cm sauber zu entfernen, brauchten wir etwas über eine Stunde.

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Ein Blick auf die blanke Fläche verdeutlicht uns die immense Zeit- und Arbeitsersparnis, die uns der Einsatz des Rasenschälers beschert hat. Mit reiner Handarbeit mit der Schaufel, wie sie bisher nicht zu umgehen war zum Abtragen der Grasnabe, hätten wir für die gleiche Fläche rund 12 Mannstunden gebraucht. Und genau wegen dieser wirklich anstrengenden Arbeit scheuen viele Gartenbesitzer verständlicherweise die komplette Erneuerung Ihres Rasens.

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Der abgeschälte Rasen kann leicht mit einer Schaufel aufgenommen und mit einer Schubkarre abtransportiert werden. Man kann damit prima Bodenunebenheiten in "naturbelassenen" Teilen des Gartens oder Waldstücken des Grundstücks ausgleichen. Wenn Sie gezwungen sind, die ehemalige Pracht Ihres Gartens zu entsorgen, so müssen Sie je 100 m? Grasnabe etwa 5 m? an Raum im Container einkalkulieren. Die Grasnabe ist jedoch nicht zwangsläufig als "Bauschutt" zu bewerten. Fragen Sie am besten bei Ihrem Abfallentsorger nach.

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Als nächstes wird der Erdboden mit einer kräftigen Rotor-Bodenfräse gut 25 bis 30 cm tief durchgepflügt. Bearbeiten Sie die Fläche ruhig mehrmals mit der Fräse. Der Boden wird dadurch gut durchlüftet und gleichmäßig aufgelockert, wodurch er sich später leichter ausgleichen und verteilen läßt. Ist der Boden sehr fest und lehmig, kann man zwischen zwei Fräsgängen einige Eimer Sand gleichmäßig über der Fläche verstreuen. Nach dem Durchfräsen sollte der Boden ein bis zwei Tage trocknen, sofern die Witterung dies zulässt.

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Die Rotor-Bodenfräse zermalt nicht nur die Erdschollen, sie fördert auch Steine, Wurzelreste und andere Fremdkörper an die Oberfläche. Diese werden mit einer Harke oder einem Rechen herausgearbeitet und auf-gelesen. Außerdem wird der Boden wieder gleichmäßig verteilt und geebnet. Wer es besonders gut mit seinem neuen Rasen meint, der kann jetzt noch sogenannten "Startdünger" gleichmäßig auf der Fläche verteilen. Ganz einfach geht das mit einem kleinen Streuwagen.


Neuen Rollrasen verlegen

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Die Rollrasen-Hersteller "ernten" ihre Ware frühmorgens ab 4.00 Uhr. Je nach Lieferant können die Rollen zwischen 40cm und 100cm breit sein. Dabei variiert auch deren Länge zwischen 2,5m und 1m, denn eine Rolle ergibt in der Regel eine Fläche von 1m?. Lassen Sie sich Ihren Rasen möglichst früh liefern und verlegen Sie ihn zügig. Je eher der Rasen sich beruhigen kann und wieder Kontakt zum Erdboden hat, desto schöner und gleichmäßiger wird er künftig Ihren Garten zieren.

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Effizient und zügig läßt sich der neue Rasen verlegen, wenn drei bis vier Personen Hand in Hand arbeiten. Zwei verlegen, einer arbeitet zu, und versorgt die Verleger mittels einer Schubkarre mit neuen Rasenrollen. Auf dem ersten vergelegten Rasenstreifen werden Schaltafeln ausgelegt. Von diesen Schaltafeln aus, wird die nächste Reihe verlegt, dann werden die Schaltafeln auf die neue Reihe gekippt, um die nächste Reihe zu verlegen, und so weiter.

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Der frisch ausgelegte Rollrasen ist jetzt weich und empfindlich. Die Schaltafeln verteilen das Körpergewicht auf eine so ausreichend große Fläche, daß der Rasen nicht durch einsinkende Schritte geschädigt wird. Sorgen Sie bei der Verlegearbeit für möglichst dichtschließende Fugen, und zwar im Verbund, ähnlich wie Sie es von Mauerwerk her kennen. Und achten Sie auch auf die Verlegerichtung. Gras wächst, wie alle Pflanzen, immer in Richtung des Lichts. Deshalb sind Grashalme nie absolut senkrecht aufgerichtet, sondern leicht geneigt.

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Geerntet und aufgerollt werden die Rasenrollen immer einheitlich mit der Wuchsrichtung. Wenn Sie den gesamten Rasen in der gleichen Richtung verlegen, also beispielsweise alle Reihen von links nach rechts, erhalten Sie einen einheitlichen Gras-Teppich. Wenn Sie die Verlegerichtung wechseln, erhalten Sie ein Streifenmuster, wie Sie es von Fußballfeldern in Stadien her kennen. Wenn möglich, versuchen Sie die ganze Fläche einheitlich nach Süden auszurichten.

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Unmittelbar nach dem Verlegen muß der neue Rasen gut gewässert werden, dabei sollten sich jedoch keine Pfützen bilden. Dann wird der Rasen mit einer Walze gleichmäßig verdichtet. Ziehen Sie die Walze langsam und gleichmäßig über die Rasenfläche, und zwar möglichst mittig über die Längsfugen. Eine mittelgroße Walze wiegt rund 65 Kilogramm und erzeugt den geeigneten Anpressdruck zur Verdichtung des Rasens. Wesentlich schwerer sollte die Walze nicht sein.


Rasen und Rasen - Was für ein Unterschied!

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Nach 7 bis 10 Tagen kann der Rasen betreten werden und ab diesem Zeitpunkt muß er auch gepflegt werden. Schneiden Sie den Rasen am besten alle 3 bis 5 Tage mit mittlerer Schneidehöhe Ihres Rasenmähers, also nicht zu kurz. So werden regelmäßig nur die Spitzen der Halme gekürzt, dadurch werden die einzelnen Gras-pflanzen kräftig und wachsen gleichzeitig in die Breite. Das Messer Ihres Rasenmähers sollte grundsätlich scharf sein, sonst reißt es, und schneidet nicht!

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Nach etwa 8 Wochen können Sie Ihren Rasen noch einmal mit Langzeitdünger gleichmäßig düngen. Beachten Sie dabei die Mengenempfehlungen des Herstellers und bemessen Sie den Dünger lieber etwas zu sparsam, als zu großzügig. Düngen Sie möglichst an einem bewölkten Tag, keinesfalls bei direkter Sonneneinstrahlung, sonst besteht die Gefahr, daß Ihr Rasen "verbrennt". Unmittelbar nach dem Düngen muß der Rasen großzügig gesprengt werden.


Das ganze Projekt "Huflattich" war in vier Tagen erledigt. Mischa steht auf der Terrasse, blickt auf seinen Rasen - und grinst. Wenn Sie es ihm und uns, vielleicht mit Unterstützung einiger Helfer gleichtun wollen, werden Sie bestimmt schon beim nächsten Grillabend auf Ihren tollen Rasen angesprochen.

Wir wünschen und Ihnen und Ihrem Rasen viel Vergnügen und einen schönen Sommer.



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